Samstag, 27. Januar 2018

Laufglück 2.0 - Was war 1996-1999: Never stay - Runner forever (Update 05.04.2016)

Gruppenfoto vor dem Start Arolsen-Marathon 1988-1994 erreichen wir bei Marathonläufen alljährlich Leistungsfortschritte (Laufglück 1.0 - Was war 1988-1995: Upgrade vom Couch-Potato zum Runner), aber über 10 km können wir uns seit 1992 nicht mehr steigern und werden eher langsamer. Nach einem überaus erfolgreichen Marathon-Jahr 1994 geraten wir 1995 in eine Laufkrise, die bei Gisela bis in das Jahr 1996 reicht. Im Alter von 38 Jahren haben wir zu spät mit dem Laufen begonnen, um Anschluss an die Leistungsspitze zu finden. Vielleicht fehlt auch das notwendige Talent. Mehr als Mittelfeld ist nicht möglich. Die 3-Stundengrenze werden wir im Marathon nicht unterbieten zu können, weil unsere Grundschnelligkeit nicht ausreicht bzw. abnimmt.(1) Krisen sind Herausforderungen, an denen man wachsen kann. Wir nehmen die Herausforderung an und suchen nach Auswegen. Das aktuelle Kapitel beschreibt den Weg aus der Krise. - Lauf-Events ab 1988 in Bildern Jahres-Laufchroniken als Clip: 1996 - 1997 - 1998 - 1999

Eine ausschließlich gesundheitssportliche Orientierung wäre uns zu langweilig und würde auf Dauer unsere Motivation aushöhlen. Beteiligungen an Laufveranstaltungen wollen wir nicht aufgeben. Sie bereichern unser Leben mit überschaubaren Abenteuern und vielfältigen sozialen Kontakten. Wettkampfplanung hat einen hohen Stellenwert für die Strukturierung des Alltags und hält unsere Trainingsmotivation unter unkomfortablen Bedingungen aufrecht. Sportprogramme und ihre Ziele sind jedoch keine in Stein gemeißelten Gesetze. Sie müssen mit dem Alltagsleben, individuellen Fähigkeiten und eigenem Anspruchsniveau harmonieren. Wir entscheiden uns für Anpassungen und überwinden mit der praktischen Umsetzung von Stellgrößen unseres Programms 1996/97 nicht nur unsere Laufkrise, sondern erfahren einen mächtigen Motivationsschub, der uns über Deutschland hinaus in die abenteuerliche Welt des Ultra-Langlaufs trägt. Eine aus freizeitsportlicher Perspektive vorgenommene Neuausrichtung unseres sportlichen Programms entwickelt eine ungeahnte positive Dynamik, die intensiv auf unser gesamtes Leben einwirkt.

Restart nach der Laufkrise mit veränderten Stellgrößen(2)
  1. Statt bestzeitenfähiger Stadtmarathons rücken attraktive Landschaftsläufe in unseren Fokus, ohne uns auf Distanzen festzulegen.(3) 
  2. Im Hinblick auf Anforderungen profilierter Landschaftsläufe bevorzugen wir im Training profilierte Strecken. 
  3. Priorität legen wir auf Ausdauerleistung (vor Lauftempo). Training und Wettkampf orientieren sich nicht mehr an Pulsfrequenzen, Tempotabellen, persönlichen Bestzeiten oder ihrer Verbesserung, sondern an unserem subjektivem Tempo- und Körpergefühl ohne Vorgabe von Zeiten.
  4. Bis 1995 trainieren wir lange Einheiten mit Distanzen von 30-35 km in der Vorbereitungsphase eines Marathons. Ab 1996 praktizieren wir den ‚langen Lauf’ als ganzjähriges, möglichst wöchentliches Trainingselement und verlängern vor Wettkämpfen die Distanz über 35 km hinaus. 
  5. Das gemeinsame Lauferlebnis wird wichtiger als die persönliche Leistung. Wenn immer es passt, laufen wir im Training und im Wettkampf gemeinsam, nehmen aufeinander Rücksicht, unterstützen uns gegenseitig, wenn es schwer wird, um schließlich gemeinsam das Ziel zu erreichen.

1996 - Landschaftsläufe und Tempoläufe auf Unterdistanzen

1998 KöFo-Training_1.jpgKarlheinz und Gisela im Marathon-Ziel, 3:31 Std. Mit verändertem Programm gewinnen wir 1996 neue Motivation, steigern unseren Trainingsumfang und nehmen wieder Fahrt auf.(4) An Wochenenden trainieren wir regelmäßig mit unserer Laufgruppe im profilierten Königsforst. Unsere Standardrunde von 19 km führt über den Tütberg und einige weitere markante Steigungen. Die erste Runde laufen wir gemeinsam. Anschließend sortiert sich die Gruppe neu (Fotoserie Trainingsgruppe).
Im Trainingsgelände wird auf einem attraktiven Waldkurs mit ca. 500 m Höhendifferenz seit 1973 einer der ältesten Marathons Deutschlands ausgetragen. Den Königsforst-Marathon nehmen wir ab 1996 in unser Standardprogramm auf. In den 3 ersten Jahren ist Gisela beim Halbmarathon erfolgreich. Ab 1999 glänzt sie auf der vollen Distanz. Mein erster Auftritt gelingt mit 2 gleichmäßig gelaufenen Runden und der Endzeit von 3:31 Std. (Fotoserie).


Zieleinlauf Karlheinz in Schmiedefeld Mitte Mai reisen wir erneut zum Rennsteiglauf und sind dort mit Ana und Josef verabredet. Als Stamm-Quartier wählen den Waldfrieden in Stützerbach. Dem kleinen Familienbetrieb mit exzellenter Küche bleiben wir mehr als 10 Jahre treu. Gisela läuft Halbmarathon mit Vollgas und belegt Platz 3 ihrer Altersklasse. Den ‚langen Kanten’ über 66,5km trete ich mit besserer Vorbereitung als 1994 an und hoffe auf eine Endzeit unter 6 Std. an. Am Großen Beerberg erlebe ich ein Déjà-vu des Laufs im Jahr 1994. Die Kraft ist aufgebraucht. Bei Wolkenbrüchen lege ich mehrere Kilometer gehend zurück und büße viel Zeit ein. Ab der Schmücke erhole ich mich und kann wieder Tempo zulegen. 6:05 Std. sind am Ende eine enttäuschende Verbesserung um 7 Minuten. Laufbericht Rennsteig 1996 - Fotoserie
Vom Rennsteiglauf, stressigen Rahmebedingungen und improvisierter Organsiation haben wir erst einmal genug und legen 2 Jahre Rennsteig-Pause ein.

Mit niedriger Erwartung starte ich Mitte August 1996 beim legendären Monschau-Marathon. Bei Sommerhitze sind auf dem Eifelkurs 720 m Höhendifferenz zu bewältigen. Ohne spezielle Vorbereitung komme ich erstaunlich gut über die Strecke und erreiche das Ziel in 3:38 Std.. Familiäre Verpflichtungen verhindern Giselas Teilnahme in Monschau, aber unsere nach Australien ausgewanderte Freundin Antje weilt für einen Besuch in Köln und begleitet mich. Als Triathletin wagt Antje den Marathon ohne Vorbereitung. Sie finisht erfolgreich und schwärmt noch heute vom Erlebnis dieses familiären Landschaftslaufs.

Marathonfeld nach Start Veranstaltungsplakat Gisela und Karlheinz im Start-/Zielraum

Der Brocken-Marathon (Harz-Gebirgslauf) mit insgesamt 1.170 m Höhendifferenz ist als Saison-Höhepunkt geplant. Die nur moderat profilierten ersten 9,5 km im Ilsetal stellen bereits klar, dass es heute schwer wird. Von 276 m Höhe im Ilsetal geht es über 11km auf den 1.141m hohen Brockengipfel. Nach 19 km Laufstrecke ist der Gipfel im leichten Schneegestöber erreicht. Alle Körner scheinen aufgebraucht zu sein. Eigentlich geht nichts mehr, aber ich verbiete mir den Wunsch nach Aufgabe. Der Abstieg mit einigen kleineren Gegenanstiegen ist moderater als der Anstieg. Allmählich kann ich Tempo zulegen. Einige Kilometer vor dem Ziel ist eine Endzeit unter 4 Stunden, zwar noch immer unwahrscheinlich, aber rechnerisch möglich. Ich versuche es, laufe mit 3:59:52 Std. ins Ziel, klappe zusammen und erhole mich nur langsam im Sanitätszelt. Laufbericht Brocken-Marathon 1996 - Fotoserie

Gisela setzt auf Unterdistanzen ihres Erfolgsserie fort. Wenn sie zu einem Lauf antritt, landet sie mindestens auf dem Siegerpodest ihrer Altersklasse und erzielt darüber hinaus einige Gesamtsiege in der Frauenwertung.
Fotogalerien: Winterlaufserie Porz - Volkslauf Rodenkirchen - Bensberger Frauenlauf - Oswald-Hirschfeld-Lauf - Refrather Herbstlauf


1997 - Highlights auf Marathonstrecken

23.05.1997: Duisburg-Marathon (3:31/3:39 Std.)
Nachfeier mit Heide und Helmut im Biergarten hinter dem Stadion Wir lieben den vorbildlich organisierten Duisburg-Marathon, der weder Läufer einkauft noch Preisgelder auslobt. In Duisburg gehen Marathonis des Ruhrgebietes zu einem vergleichsweise bescheidenen Beitrag an den Start. Verwandtschaft feuert uns an der Strecke an und empfängt uns im Ziel (zunächst König-Heinrich-Platz, später Wedau-Stadion). Heide und Helmut, Senioren unserer Laufgruppe, haben 1997 eine Überraschung vorbereitet und begrüßen uns an der Strecke mit dem Transparent "Köln grüßt Gisela + Karlheinz". Trotz hoher Temperatur erzielen wir ordentliche Endzeiten, deren Wertigkeit wir erst Jahre später begreifen. Unsere traditionelle Nachfeier im Biergarten hinter dem Stadion unterbricht der Aufruf zur Siegerehrung. Gisela ist 3. ihrer Altersklasse. Das kostet eine Runde Bier und motiviert noch einmal zum Ausrollen des Transparentes. - Fotoserie


13.07.1997: Gold Coast Marathon in Queensland, Australien (3:40 Std.) - Laufbericht - Fotoserie

Zielraum in Southport Im Sommer 1997 unternehmen wir unsere erste von bislang 4 Australienreisen. (Über die Reise berichten wir im Blog Terra Australis - 1. Reise 1997.) Die Rundreise startet in Darwin im tropischen Teil des Landes, wo wir unsere Freundin Antje und Nationalparks im Northern Territory besuchen. Mit Antje fliegen wir nach Brisbane in Queensland, um gemeinsam am Gold Coast Marathon teilzunehmen. Vor Ort treffen wir Antjes Bruder, der mit seiner Partnerin in Mermaid Waters wohnt, Ortsteil von Gold Coast.
Ohne solides Marathontrainig, das unter tropischen Bedingungen kaum möglich ist, startet Antje für die Mannschaft von NT, geht zu schnell an und steigt bei halber Strecke aus. Gisela und ich laufen zusammen. Wir wollen nur ankommen und sind unter den speziellen Bedingungen dieses Laufs mit der Zeit von 3:40 Std. sehr zufrieden.


05.10.1997: 1. Kölner City-Marathon - theoretisch unter 3 Stunden(1), praktisch in neuer Bestzeit - Fotoserie

Karlheinz auf der RheinuferstraßeGisela in Raderthal Den 1. Kölner City-Marathon verstehen wir als Herausforderung. Selbst die Familie reist zu diesem Event aus Duisburg an. Wir möchten zeigen, was wir können und bereiten uns sorgfältig vor. Giselas schnelle Kollegen motivieren zusätzlich. Auf dem Weg zum Start verkündet Gisela, dass sie sich heute miserabel fühle, maximal ein Tempo von 6:00 Min/km laufen könne und möglicherweise auf der Strecke aussteigen müsse. Unter solchen Bedingungen ist es besser, wenn jeder sein eigenes Tempo läuft. Nach 3:19 Std. (alterskorrigiert 3:06 Std.) bin ich im Ziel. Während ich zur Versorgung schlendere und mich auf eine längere Wartezeit einstelle, finisht Gisela mit neuer persönlicher Bestzeit von 3:21 Std. (alterskorrigiert 2:57 Std.) und erklärt strahlend, dass der Lauf heute easy gewesen sei, sie aber kein Risiko eingehen wollte und sich darum gebremst habe. Wäre sie an meiner Seite geblieben, hätten wir gemeinsam das Ziel in 3:19 Std. erreicht (alterskorrigiert 2:55 Std.)

08.11.1997: 1. Rursee-Marathon - Fotoserie
1997.10 Rursee-Marathon, Anstieg in Woffelsbach Seit 1997 zählt der Rursee-Marathon zu den Events, die wir nie versäumen, wenn keine Handicaps im Weg stehen. 1997 schien uns verwegen zu sein, 5 Wochen nach dem Köln-Marathon einen anspruchsvollen Eifel-Marathon zu laufen, aber wir vertrauen unserer Fitness. Josef, Elisabeth, Werner W. und Angelika N. sind mit uns am Start. Heide und Helmut feuern uns auf der Strecke an und jubeln im Ziel. Gisela und ich gehen ohne Blick auf die Uhr locker über die profilierte Strecke. Auf halber Strecke lassen wir Angelika hinter uns. Dann fällt Elisabeth zurück. Bei KM 30 versenken wir Werner W.. Nach 3:46 Std. sind wir im Ziel noch munter. In der Platzierung liegt Gisela wieder einmal in der Spitzengruppe. Werner W. nehmen wir 1/2 Stunde ab. Elisabeth erreicht mit ihren letzten Körnern das Ziel und lebt erst wieder nach 2 Stunden 'Notschlaf' im Bett der Pension. Beim Läufer-Fest am Abend demonstriert Ingeborg Urbach auf der Tanzfläche mit Spagats ihre Beweglichkeit.


1998 - Tempoläufe, Staffel-Marathon, City-Marathons, Landschafts-Marathons und mehr - Ultra-Europacup 

Helmut, Claudia, Heide, Gisela, Karlheinz auf dem Parkplatz Gleueler Straße 1996 eingeleitete Veränderungen unseres Laufprogramms entfalten ab 1998 ihre volle Wirkung. Schnelle Läufe fallen leicht und bereiten deutliches größeres Vergnügen als gemächliches Tempo. Nach Anstrengungen regenerieren wir schnell und sind kaum noch zu bremsen. Über das Jahr treten wir bei 22 Wettkämpfen an, darunter 5 bzw. 6 Marathons und 2 Ultra-Marathons (Karlheinz). Auf Unterdistanzen belegt Gisela Spitzenplätze. Karlheinz konzentriert sich auf das Ultra-Europcup-Projekt der Serie 1998/99 mit Läufen über 100 km Biel, 76 km Rennsteig, 50 km Schwäbisch Alb.(5,6)
Besonderen Spaß bieten Gruppen-Läufe. Unsere Laufgruppe (Fotoserie) beginnt traditionell mit der Winterlaufserie (Fotoserie) die Laufsaison. Zwischen deren Terminen nehmen wir am Puhlheimer Staffel-Marathon (Fotoserie) mit 2 gemischten Staffeln in identischer Besetzung teil, 'Jeck & Doll' und 'Doll & Jeck'.
Der DKV-Gruppenlauf über 15 km bildet im Mai einen weitere traditionellen Fixpunkt. Heide übernimmt die Anmeldung und möchte prinzipiell in einer Frauengruppe (Fotoserie) laufen. Wenn sich keine 5 Frauen finden, erlaubt Heide auch gemischte Teams, aber nur mit strikter Tempovorgabe.


Vom Königsforst über Duisburg nach Biel
Mit dem Ziel des Ultra-Europacups trainiere ich im Winter lange Läufe bis zu 60 km und erfinde nach dem 'Doppeldecker' (2 x 19 km Standardrunde über den Tütberg im Königsforst) den 'Tripolo' (3 x 19 km Standardrunde), bei dem ich von Runde zu Runde das Tempo steigere. Auf der 3. Runde laufe ich ohne Begleitung. So verrückt will sonst niemand sein. Erst recht nicht im Winter. Freunde der Laufgruppe schütteln den Kopf, tippen sich an die Stirn und denken vermutlich Einiges, was sie mir nicht persönlich sagen.

Karlheinz in MeiderichGisela und Karlheinz im Ziel Königsforst-Marathon (3:23 Std.)Gisela in der Innenstadt

Ob oder wie sich mein Training bewährt, zeigt sich im März beim Königsforst-Marathon (Fotoserie). Aus dem Training heraus laufe ich die erste von zwei Runden im Tempo 5:00 min/km. In der zweiten Runde kann ich das Tempo deutlich steigern. Auf der langen, leicht ansteigenden Zielgeraden kommt Albert Buntenbroich auf, ein 8 Jahre jüngerer starker Ultra-Läufer des GSV Porz. Albert will natürlich überholen. Ich halte dagegen. Bis zur Ziellinie liefern wir uns einen harten Fight, bei dem ich zuletzt die Nase vorne habe. Völlig erschöpft liegen wir im Ziel auf einem Tisch, bis sich der Puls wieder beruhigt hat. Dass eine Endzeit von 3:23 Std. möglich ist und ich Albert Paroli bieten kann, zeigt: Der Kurs nach Biel stimmt.
Ein letzter Formtest auf dem Duisburg-Marathon (Fotoserie) bestätigt mit der Endzeit 3:18 Std. (alterskorrigiert 3:03 Std.) die Formentwicklung. Gisela lässt es ruhiger angehen und läuft in 3:36 Std. ins Ziel. Obwohl der Tag verregnet ist, kehren wir auch heute nach dem Lauf im Biergarten ein.


ZieleinlaufUrkunde 1998_16123.jpg Längere Distanzen als 66,5 km bin ich noch nie gelaufen und schon gar nicht in der Nacht. Dennoch halte ich eine Endzeit unter 10 Stunden für möglich, wenn es gut läuft. Dabei ist mir bewusst, dass der Nachtlauf in Biel über 100 km ein großes Abenteuer ist.
Der Bieler Nachtlauf fällt schwerer als gedacht, aber am Ende geht mit der Zeit von 9:49 Std. für 100 km ein hart erarbeiteter Traum in Erfüllung. Das emotional bewegende dramatische Format dieses Abenteuers ist nicht antizipierbar und Dritten nicht zu vermitteln. Es kann nur in intensiver Selbsterfahrung erlebt werden.
Mit meiner Zeit dürfte ich mich beim nächsten Start in Biel im Block ‚Elite 1’ aufstellen, aber eine Wiederholung wird es nicht geben, nachdem das persönliche Ziel realisiert ist. Intensität und Tiefe dieser Erfahrung sind ohnehin nicht wiederholbar.
Laufbericht 100 km Biel 1998 - Fotoserie


09.08.1998: Giselas Premiere beim Monschau-Marathon - Fotoserie
Gisela und Gisela Stier auf der StreckeGisela bei der Siegererung ihrer Altersklasse 1998 startet Gisela erstmals in Monschau. Wir laufen getrennt, weil ich im Hinblick auf den Ultra-Europacup ein schärferes Tempo gehen will und Gisela den Eifelkurs mit mehr als 750 Höhenmeter respektvoll laufen möchte. Am Ende finishe ich in 3:38 Std. und lande auf Platz 33 meiner Altersklasse. Gisela schließt sich mit Gisela Stier und Bigi Linnarzt einer Sub-4-Stunden-Gruppe an und belegt auf Anhieb Platz 1 ihrer Altersklasse (3:57 Std.). Der Monschau-Marathon ist ab sofort Giselas neuer „Lieblingslauf“.
Obwohl der Termin meistens in die Sommerferien fällt, wird er bis 2004 zum Jour fixe in Verbindung mit einer Übernachtung im ‚Gästhaus Zum Stehling’ in Mützenich. Der Übernachtung gehen regelmäßig Verhandlungen mit der Vermieterin voraus. Zunächst will sie uns kein Zimmer für nur eine Nacht überlassen. Dann lehnt sie es ab, Marathonteilnehmern vor dem Start um 8:00 Uhr ab 6:00 Uhr Frühstück anzubieten. Wir lassen uns nicht abschrecken und bleiben freundlich, bis die Chefin am Ende einlenkt, ruppigen Eifelstil ablegt und ihre verborgene charmante Seite zeigt.


11.10.1998: 2. Köln-Marathon - Fotoserie - 17.10.1998: 50 km Alb-Marathon - Laufbericht - Fotoserie
Gisela, Klaus F., Peter H. in der StartaufstellungZiel 50 km in Schwäbisch Gmünd Am Köln-Marathon bzw. dessen Konzept und Organisation haben wir Vieles auszusetzen, aber da er vor unserer Tür stattfindet, wir viele Freunde auf und an der Strecke treffen, nehmen wir teil. Im Regen laufen wir den Marathon gemeinsam ohne besondere Ambitionen, weil eine Woche später der Alb-Marathon über 50 km stattfindet, mein 2. Wertungslauf des Ultra-Europacups. Die Qualität unserer Zeit von 3:38 Std. haben wir 1998 nicht erkannt.
Um 1.100 m Höhendifferenz des Alb-Marathons einschätzen zu können, unternehmen wir eine Streckenbesichtigung. An- und Abstiege über die Vulkankegel Rechberg, Hohenstaufen, Stuifen sind Respekt fordernde Herausforderungen. Nur Spezialisten kommen ohne zu gehen über die Strecke. Gisela kneift. Sie startet beim 10 km Rechberglauf. Aber auch der hat es in sich, wie die Zeit von 1:05 Std. bei Platz 2 der Altersklasse zeigt. Über 50 km trennt sich bei 5:00 Std. Endzeit Spreu vom Weizen. Lange ist fraglich, ob ich 5:00 Std. unterbieten kann. Auf dem leicht abfallenden Schlusskurs wachsen mir Flügel. Mit Runner's High laufe ich am Anschlag dem Ziel entgegen. "Die Nummer 1254 (meine Startnummer) lebt!", ruft ein Zuschauer an der Strecke. Im Ziel zeigt die Uhr 4:50 Std.. Selten hat große Anstrengung so großen Spaß bereitet. Wir werden bald zurückkehren.


Saisonsabschluss: 2. Rursee-Marathon 07.11.1998 - Arolsen-Marathon 28.11.1998
Gisela und Karlheinz in Einruhr Zwei Wochen nach kräftezehrenden 50 km auf der Schwäbischen Alb lassen wir den 2. Rursee-Marathon in der Eifel natürlich nicht aus. Unsere Vorstellungen über 'schöne Läufe' decken sich nicht immer. Gisela zieht heute ein komfortables Tempo vor und landet nach 4:02 Std. im Ziel (AK Platz 3/7). Meine gute Form erlaubt ein höheres Tempo und eine persönliche Strecken-Bestzeit von 3:27 Std. (AK 21/57).
Drei Wochen später treten wir und Josef am Wochenende des 1. Advents zum ersten Mal beim Arolsen-Marathon an, ein profilierter Landschaftslauf im Waldecker Land, über den Läuferkreise äußerst positiv berichten. Zum Saisonausklang finden sich ca. 500-600 Läufer ein, die Härtesten der Harten, vor allem aus der deutschen Ultra-Szene, in die wir gerade hineinwachsen. Heinrich Kuhaupt und seine Frau Ingrid organisieren den Marathon mit kleinem Team handgemacht und ersetzen zeitgemäße Technik durch leidenschaftliches Engagement. Nach Heinrichs legendärem Briefing vor dem Start in der mit Tannenzweigen und Teelichtern dekorierten Twistesee-Halle laufen wir locker und schrammen mit 4:00:14 Std. die 4-Stunden-Grenze.
Den liebevoll organisierten Marathon schließen wir spontan in unser großes Läuferherz und werben bei unseren Lauffreunden für die Veranstaltung. Ab dem Folgejahr wird der Arolsen-Marathon bis 2003 zu einem Jour fixe unserer Laufgruppe.


1999 - Zwischenjahr - Geburtstagslauf - Finale Ultra-Europacup  

Anfeuerung von Heide am Anstieg in Woffelsbach, Rursee-Marathon Nach glänzendem Jahr 1998 läuft das Jahr 1999 nicht rund. Berufliche Turbulenzen und immer wieder neue Verletzungen behindern oft ein reguläres Training und stören unsere Planung. Für das Frühjahr haben wir gemeinsam mit Elisabeth und Roger ein Marathon-Traininslager bei Peter Greif gebucht und müssen die Reise mit Rücksicht auf die berufliche Situation stornieren.
Verletzungsbedingt bestreitet Gisela den Duisburg-Marathon ohne mich bei großer Hitze in 3:56 Std. (Fotoserie). Beim Baldeneysee-Marathon muss ich mit Verletzung auf halber Strecke aufgeben, während Gisela mit Josef in 3:54 Std. finisht. Bei den Marathons von Monschau (Fotoserie), in Köln (Fotoserie) und am Rursee quäle ich mich mit Verletzungen über die Strecke. Ergebnisse fallen unter diesen Bedingungen bescheiden aus.


Claudia und Karlheinz auf der StreckeElisabeth und Gisela auf der Strecke Immerhin kommen auch 1999 Highlights zustande, von denen unsere Motivation zehrt. Gisela läuft gemeinsam mit mir zum ersten Mal den Königsforst-Marathon (3:55 Std.).
Zwei Wochen später findet Giselas Premiere auf der Ultra-Einstiegs-Distanz statt. Im Rahmen der Deutschen Meisterschaft über 100 km Straßenlauf läuft sie in Troisdorf-Spich zum ersten Mal einen Wettkampf über 50 km (4:49 Std.).
Angeschlagen reise ich mit Josef zum London-Marathon (Fotoserie) und bin mit der Zeit von 3:47 Std. zufrieden.
Über 10 km nimmt Gisela mit Claudia und Elisabeth (Fotoserie) am Bensberger Frauenlauf teil, und den Oswald-Hirscheld-Lauf beendet Gisela erneut als Gesamtsiegerin (44:53), während ich das Ziel nach 50:42 erreiche.




27.02.1999: Geburtstagslauf Rund um Köln - Fotoserie
Laufgruppe am Stadtwald-Parkplatz Gleueler Straße Anlässlich unserer Geburtstage organisieren wir für einen kleinen Freundeskreis einen entspannten 'Gruppenlauf Rund um Köln' mit Start und Ziel im Grüngürtel auf dem Parkplatz Gleueler Straße. Über die volle Marathon-Distanz laufen mit uns Claudia, Elisabeth, Roger und Werner. Heide und Helmut teilen sich die Strecke. Traugott übernimmt die Streckenversorgung per Fahrrad. Harald begleitet uns als rasender Reporter auf dem Motorrad. Irmgard bereitet die Zielversorgung vor.
Unvergessen ist der von Heide und Helmut eingerichtete Verpflegungspunkt KM 15 in ihrer Garage auf der Siegburger Straße. Das opulente Buffet macht den Zeitplan zunichte. Ein Knüller ist die von Ulla und Rudi zur Verfügung gestellte Camping-Toilette, für die Helmut ein mit Vorhang getrenntes Abteil konstruiert hat. Elisabeth testet die Option. Zur Nachfeier treffen wir uns am Abend im Lindenthaler Haus Schwan, in dem Heide eine Ansprache hält und Harald das Video des Lauf-Events vorführt.


05.05.1999: Rennsteiglauf (3. Wertungslauf Ultra-Europacup) - Laufbericht - Fotoserie
Rennsteig-Zieleinlauf nach 76 km, 7:16:57Ziel in Schmiedeld Saisonhöhepunkt des Jahres ist der Rennsteiglauf im Thüringer Wald, mit dem ich den Ultra-Europcup abschließe.(6) Nach holprigem Einstieg in das Jahr läuft die Wettkampfvorbereitung zufriedenstellend, sodass wir zuversichtlich zum Rennsteig fahren. In Stützerbach treffen wir uns mit Heide und Helmut, mit denen wir seit Thessaloniki 1988 Freundschaft pflegen (Laufbericht) und die uns 1994 zu unserem ersten Rennsteiglauf motiviert haben (Laufbericht). Heide geht nicht an den Start, weil ihr der Marathon zu lang ist und wir keine praktikable Lösung für die Logistik des Halbmarathons finden. Gisela und Helmut laufen den Marathon von Neuhaus nach Schmiedefeld (4:06 Std.). (18 Jahre später walken wir den Marathon in 7:06 Std., Laufbericht)
Der ‚lange Kanten’ startet inzwischen in Eisenach, wodurch sich Distanz und Höhendifferenz auf 76 km erhöhen (aktuell 73,5 km), auf denen ca. 1.500 m Anstieg und 1.000 m Abstieg warten. Mit meiner Zeit von 7:16 Std. und Platz 163 (von 829) bin ich nicht zufrieden. In der Endwertung Ultra-Europacup 1998/99 verbuche ich Platz 33 (von 132). Die Qualität der Leistung erkenne ich erst Jahre später.


Saisonsabschluß: Besuch aus Australien - 28.11.1999: Arolsen-Marathon - Fotoserie - 04.12.1999: Siebengebirgs-Marathon
Gruppenfoto vor dem Start Arolsen-Marathonkings park-run.jpg Im November besuchen uns Angie und Richard aus Australien und verstärken vorübergehend unsere Trainingsgruppe im Königsforst, ehe wir Ende November zum Arolsen-Marathon reisen. Nach den guten Erfahrungen des Vorjahres begleitet unsere Laufgruppe uns ab 1999 (bis 2003) nach Arolsen zum Feiern und zum Laufen. Mit der Gruppe und einer großen Läuferfamilie logieren wir im Schlosshotel Bad Arolsen (aktuell Welcome Hotel), das zu ‚Schmuddelwetter-Preisen’ günstige Wochenend-Arrangements anbietet. Wir genießen das komfortable Hotel, besuchen den Weihnachtsmarkt und schwingen nach dem Marathon am Abend das Tanzbein in der Tenne. Der Lauf findet tatsächlich meistens bei Schmuddelwetter statt, aber Event und Erlebnis lassen das Wetter vergessen. Wir laufen auf 'Ankunft', Gisela mit Elisabeth (4:09 Std.). Elisabeth ist im Ziel so platt, dass sie die Treppe zur Twistesee-Halle nur mit Hilfe bewältigt und sich in der Halle liegend erholen muss. 
Seit dem Rennsteiglauf im Mai verspüre ich im Dezember erstmals wieder ansteigende Form, die mich eine Woche später noch einmal beim 1. Siebengebirgs-Marathon antreten lässt. Auf der anspruchsvollen Strecke mit 780 m Höhenunterschied ist die Endzeit von 3:47 Std. ein gutes Omen für das Folgejahr.


Anmerkungen
  1. Im Unterschied zu Ausdauer ist Tempo relativ gering trainierbar. In begrenztem Rahmen sind Tempodefizite kompensierbar durch Steigerungen von Kilometer-Umfang und Lauf-Intensität. Mit zunehmender Belastung nehmen Risiken der Verletzungsanfälligkeit und des Übertrainings zu. Entscheidend sind jedoch biologische Gesetzmäßigkeiten.
    Auf Langstrecken wird der Leistungszenit statistisch im Alter von 31 Jahren (Frauen) bzw. 34 Jahren (Männer) erreicht. Ab dem Alter von ca. 35 Jahren setzt ein kontinuierlicher altersbedingter Leistungsrückgang ein, mit dem die Trainierbarkeit abnimmt und der Regenerationsbedarf zunimmt.
    Aus statistischen Daten abgeleitete Alterskorrekturrechner ermöglichen Vergleichbarkeit von Leistungen in verschiedenen Altersklassen. Derartige Algorithmen und Vergleiche sind statistischer Art. Individuelle Abweichungen bleiben unberücksichtigt. - DUV: Alterskorrektur, Greif: Altersleistungs-Rechner
  2. Stellgrößen der Neuausrichtung verstehen wir als elastische 'Leitplanken', die Ausnahmen zulassen.
  3. Ultra-Distanzen bilden zunächst nur für mich neue Herausforderungen. Mein Fernziel sind die 100 km von Biel (Bieler Lauftage). Gisela wehrt sich vorerst gegen Ultra-Distanzen. Marathon, gegen den sie sich bis Mitte 1989 ebenfalls gewehrt hat, erklärt sie zur persönlichen Obergrenze. Diese fällt jedoch 1998.
  4. Laufumfang Trainung + Wettkampf
    1996: Gisela 4.170 km (+ 1.000 km), Karlheinz 5.400 km (+1.640 km)
    Jahresdurchschnitt 1997-2003: Gisela 4.400 km, Karlheinz 5.160 km
  5. Gisela Erfolge 1998:
    2 x Gesamtsiege Frauen: 5 km Medienlauf und 10 km Oswald-Hirschfeld-Lauf
    5 x Platz 1 der Altersklasse:  10 km Rodenkirchen, Halbmarathon Königsforst, 5 km Porzer Sommerabendlauf, 10 km Friedenslauf, Monschau-Marathon
  6. Einige der bedeutendsten Ultra-Marathons in Europa schließen sich zu einer Sonderwertung zusammen. Wer innerhalb von 12 Monaten in 3 dieser Ultra-Läufe das Ziel in der Sollzeit erreicht, wird zusätzlich im Ultra-Europacup gewertet.  

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